Donnerstag, 1. April 2010

Tempel

Wie versprochen schreibe ich noch ein paar Eindrücke von meinem Tempelbesuch...
Da wir am Samstag da waren und schon bald das buddhistische Neujahr vor der Türe steht (14.4.), war der Tempel außerordentlich gut besucht. Eigentlich blöd, dass ich noch nicht eher da war, denn vom EDC sind es nur 10 Minuten Fußweg bis dorthin. Die Buddhastatue ist eine der größten Tempelstatuen in ganz Sri Lanka.

Hinter ihr liegt also die Tempelanlage, die sowohl von Buddhisten als auch von Hinduisten genutzt wird. Die teilen sich ihre Götter nämlich. Auch schön oder? Auf dem Gelände gibt es wahnsinnig viel zu sehen. Also nicht so wie wir das kennen: eine Kirche mit einem großen Saal und gut ist. Nee nee, jeder Gott hat da seinen eigenen kleinen Raum oder Verschlag, und jeder Gott hat auch seine ganz eigene Aufgabe. Es gibt zum Beispiel einen, an den man sich wendet, wenn man beispielsweise Probleme mit dem Nachbarn hat. Wenn der einen also ärgert, dann kann man mit ner Kokosnuss zu dem Gott kommen, der verflucht die dann quasi und diese Kokosnuss gibt man dann dem Nachbarn, sodass dem was Schlimmes passiert. Ja, was soll man dazu sagen. Man kann besagte Kokosnuss wohl aber auch so preparieren lassen, dass sie Glück bringt.
Andere Götter sind für Neuanschaffungen zuständig (neues Auto - ab zum Gott, der das segnet). Es gibt auf der Tempelanlange die verschiedensten Bauten, klein und groß, rund und eckig. Dazwischen strömen Menschen mit Obst und Blumen (die man zur Genüge auf dem Vorplatz kaufen kann) hin und her, opfern diese den jeweiligen Göttern und zünden mit Öl kleine Feuer an (aus ähnlichen Gründen, aus denen man in der christlichen Kirche Kerzen anzündet).


In der Mitte der Anlage steht ein rundes Gebäude, das um einen Baum errichtet wurde. Dort rein setzen sich die Menschen, beten, erzählen, opfern Blumen oder Obst,... Auch wir haben uns dort hingesetzt und lange die Menschen beobachtet.

Mein persönliches Highlight war dann, also eine Frau - wie bessesen mit den Augen rollend, kreischend, tanzend und mit nem riesigen Obstkorb auf dem Kopf - auf uns zugebrettert kam. Wir sind dann aufgestanden und gemeinsam mit einheimischen Schaulustigen einmal um die Kurve gegangen, wo wir dann den Ursprung für die Verrücktheit der Obstfrau entdeckten. Da stand ein Priester (mit einem Zwiebel-ähnlichen Knoten auf dem Kopf) und hat ein Seil als Lasso über einige Frauen geschwungen. Dann mussten die an irgendwas schnuppern, haben dann angefangen zu zittern und zu kreischen und zu blubbern (hat ein bisschen an Exorzismus erinnert). Und so sind die dann eine Runde im Carree, bis sie wieder beim Zwiebelprister angekommen waren. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, kam die Sippe von außerhalb und hat das Theater veranstaltet, um ein neues Kind in der Familie zu segnen. Zu unserer Erleichterung waren wir nicht die Einzigen, die damit nicht viel anzufangen wussten.




Anschließend traf ich den Mercedes-Mönch (eigentlich darf man als Mönch gar kein materielles Eigentum besitzen. Geschenke zählen dabei wohl aber nicht. Also fährt der Mönch eben einen Mercedes. Man biegt sich die Wahrheiten halt auch hier so, wie man sie haben möchte...). Der hat mich gesegnet und mir ein weißes Band ums rechte Handgelenk geschnürt. Sonderlich Mühe scheint er sich dabei nicht gegeben zu haben, schließlich hatten wir keine 24 Stunden später eine unangenehme Begegnung mit einer Welle. Beim nächsten Mal, wenn ich ihn sehe, werf ich ihm ne Kokosnuss auf den Fuß.

Impressionen
Auf dem Weg zum Tempel



Mittwoch, 31. März 2010

Ein Mittwoch, wie er im Buche steht

Heute war wieder ein wunderbarer Tag! Am Vormittag bin ich mit André nach Kosgoda zur Schildkrötenfarm gefahren, allerdings war ich heut ein Träumerle... Zwar hatt ich ständig einen Besen zum Tanks schrubben in der Hand, aber zum sauber machen bin ich irgendwie nicht gekommen. Meine Gedanken sind abgedriftet in alle Richtungen... Und als sich der Himmel dann dunkelgrau verfärbt hat, war's sowieso um mich geschehen. Was für ein Naturschauspiel! Natürlich mussten die Schildis dann kurz warten, weil wir alle mit unseren Fotoapparaten am Strand standen. Dummerweise hat die Pumpe heute gänzlich das Zeitliche gesegnet, sodass wir die armen Schildkröten nur mit Mühe und Not wieder mit Wasser beglücken konnten.
Zusammen mit den anderen haben wir dann beim Lunch unseren Wochenendtrip nach Hikkaduwa geplant, den André und ich vorhin noch ein bisschen ausgepfeilt haben. Da er mit seiner Freundin schon öfters hier, kennt er hier schon ein paar Leute. Und mit einem von den Schlawinern unternehmen wir am Sonntag einen Ausflug zu Wasserfällen ein Stück weit ins Landesinnere und danach gehts zum Brief Garden, einem wohl ganz schnieken Anwesen eines englischen Kolonialherren.
Nachdem es aufgehört hatte zu regnen, kam dann nach dem Mittagessen auch ganz schnell die Sonne wieder, sodass wir noch eine große Strandrunde drehen konnten. Dann haben wir uns in den Bus zurück nach Aluthgama gesetzt, sind mit dem Tuk-Tuk schnell nach Haus gedüst, haben uns dort die Räder geschnappt und sind wieder runter zum Strand. André hat sich im Surfen versucht und ich habs mir mit Harry auf der Liege gemütlich gemacht (ich für meinen Teil hab ja erstmal genug von Wellen)...
Kann man sich einen schöneren Arbeitstag vorstellen?


Montag, 29. März 2010

Attention please...

Kleiner Nachtrag: Wegen der Zeitumstellung sind es jetzt nur noch 3,5 Stunden Zeitunterschied. Das wollt ich nur nochmal gesagt haben. Gute Nacht!

10 Minuten arbeiten, 5 Minuten Pause

... das ist die Devise! Ja, man mag es kaum glauben, aber die Sri Lankaner können sich tatsächlich selbst übertreffen (oder unterbieten??)in Sachen Arbeitsmoral. Heute ist Vollmondtag, da macht hier keiner einen Finger krum. André und ich wollten aber wenigstens ein bisschen was tun. Er hat dann einen Miniatur-Rasenmäher in die Hand gedrückt gekriegt und sollte den Rasen im Garten trimmen. Froh und munter hat er sich an die Arbeit gemacht, bis Lal ihm nach einigen Minuten unmissverständlich zu verstehen gegeben hat, dass nach 10 Minuten Arbeit bitte unbedingt 5 Minuten Pause zu machen sind. Ich hingegen war heute wieder mit der Homepage beschäftigt und befinde mich in den letzten Zügen. Gerade bin ich dabei, die englische Seite aufzupeppen und hoffe, dass ich das in den nächsten Tagen abschließen kann. Dann werd ich mich einer weiteren Seite zuwenden, die zu einem Verein namens LOTUS (Leben ohne Sorgen und Tränen) gehört und außerdem warten ein paar Flyer auf mich, die ich erstellen soll. Da freu ich mich schon drauf.

Es ist ein bisschen komisch, dass Mami nicht mehr hier ist. Ich hab zwar von Anfang an viel allein unternommen, aber sie fehlt hier trotzdem.
Aaaber: Schon in 19 Tagen kommt Sebastian!! Das wird prima. Er wird hier auch ein bisschen was machen, vor allem Fotos für die Flyer und außerdem sollen Videos über die Freiwilligenarbeit für die Internetseite gedreht werden. Außerdem werden wir eine Woche lang durch das Land reisen und alles erkunden. Ich freu mich schon riesig drauf!

Der Plan für die nächsten Tage sieht folgendermaßen aus:
Morgen fahren Andrea, Lal und Anisha für ein paar Tage nach Kandy, um dort ein großes Projekt vorzubereiten. Das heißt, wir haben bis Samstag quasi sturmfrei. Mittwoch gehts zur Schildifarm und am Freitag wollen André und ich mit ein paar Leuten nach Hikkaduwa fahren. Dort wollen wir faulenzen, abends tanzen gehen und Samstag schnorcheln.
Nächsten Dienstag fahren wir auch ein paar Tage nach Kandy. Ich glaube, bis Freitag oder Samstag. Dieses Projekt, das Ende April startet, ist eine riesige Umfrage rund um das Thema Wasserversorgung. Dazu müssen sämtliche Pläne eingeholt, Bürgermeister informiert und Vorbereitungen getroffen werden. Das erledigen wir dann alles. Außerdem kommt nächste Woche auch eine neue Praktikantin, mit der ich mir wieder das Zimmer teilen werde. Aber ist ja nur für ein paar Tage, bis Sebastian kommt.

Die Kratzer von gestern verheilen im übrigen gut. Nachdem am späten Nachmittag noch ein paar Schnitte unterm Fuß mich Brandy ausgespült wurden (aua!), ging es gestern Abend schon viel besser. Mich würde mal interessieren, was aus dem Kapitän (muss ich noch klar stellen: wir waren nicht nur zu viert unterwegs! Es war ein Kapitän dabei und ein Helferlein, beide sehr erfahren) geworden ist. Und ob das Boot zu reparieren ist. Vor lauter Schreck hab ich auch meine Schuhe auf dem Boot vergessen. Vielleicht nehmen wir in den nächsten Tagen mal Kontakt zu denen auf und gehen nochmal zusammen einen trinken. Hat man sich ja verdient nach so einem Tag.

So, jetzt gehts erstmal ins Betti. Es ist zur Zeit so schwül hier, dass man gar nicht anders kann, als den ganzen Tag müde zu sein. Kein Wunder, dass hier alles etwas langsamer abläuft...

Sonntag, 28. März 2010

Von Tempeln, Abschied und vielen Pflastern

Es ist 10 Uhr am Morgen, ich sitz mit zwei Verbänden an Knie und Fuß und einigen Pflastern auf der Terasse und trinke Arrack mit meinen Mitstreitern. Eigentlich wollten wir ja Hochseefischen... Nachdem ich Mami letzte Nacht in ein Flugzeug gesetzt hab (schnief), war ich gegen 1 wieder im Bett. Um 7 bin ich wieder aufgestanden, um ein paar Minuten später mit Andre zum Strand zu radeln und dort Leigh und seine Freundin Lina zu treffen. Dann kam auch schon unser Boot: 6m, kleine Kabine, vorne kann man liegen und hinten sitzen. Da haben wir uns hingebretzelt und schon ging's los... Mit Füßen im Wasser haben wir die ersten kleinen Wellen ganz gut gemeistert. Dann kam eine Große. Und als wir auf deren Rücken runter gerutscht sind, kam schon die Nächste, die dummerweise noch ein bisschen größer war. Und eh wir reagieren konnten, ist das Boot frontal in diese riesige Welle gekracht, das Glas der Kabine ist zersplittert, ich bin hin und her geschleudert worden und alles war nass. Das ging unglaublich schnell. Ich bin dann aufgesprungen, um zu sehen, ob mein Rucksack nass war (natürlich war er, das Boot stand ja unter Wasser), als ich dann gesehen hab, dass Leigh voller Blut ist. Ein Blick in die Runde und schließlich auch an mir runter hat mir verraten, dass wir alle ordentlich was abbekommen haben... An die nächsten Minuten kann ich mich nicht so richtig erinnern. Wir sind dann zurück zum Strand gefahren, ausgestiegen, haben im EDC angerufen und dann kam jemand und hat uns ins Medical Centre gefahren. Dort wurden die Wunden desinfiziert, Glassplitter entfernt und alles verbunden und verpflastert... Wir waren keine 5 Minuten auf dem Meer!! So langsam weicht das Adrenalin aus meiner Blutbahn und der Kreislauf läuft auch wieder rund. Was für ein Tag! Und der ist noch keine 3 Stunden alt! Ich denke, wenn wir jetzt ausgiebig gefrühstückt haben, werd ich runter ins GuestHouse fahren, wo Mami gewohnt hat und den Rest des Tages am Pool verbringen und mich von dem Schrecken erholen. Damit hat echt niemand gerechnet... Ich denke, es war mein erster und letzter Versuch was Hochseefischen angeht.

Sonst zum Wochenende: Donnerstag hatten wir eine kleine Abschiedsfeier im GuestHouse, Freitag früh waren wir Beach Cleaning (hat keinen Spaß gemacht),den Nachmittag über waren wir ganz faul und abends nochmal schön essen. Samstag früh sind wir in den Tempel gefahren – echt ein Erlebnis! Das schreib ich aber alles mal in Ruhe, wenn mein Kopf ein bisschen freier ist. Abends bin ich gemeinsam mit Mami und einem Freund nach Negombo zum Flughafen gefahren und nach einem tränenreichen Abschied sind wir dann zurück gefahren. Naja, und der Rest ist bekannt.

Also, macht euch keine Sorgen, ich bin wohlauf. Und ich hab wieder ordentlich was zu erzählen :) Prost!

Leigh kurz danach...

beim Onkel Doktor

erholen...

Donnerstag, 25. März 2010

Mit dem Radl durch Sri Lanka

Schon wieder steht ein Wochenende kurz bevor... Meine Woche war ganz in Ordnung, nicht umwerfend spektakulär, aber ok. Es ist nichts aufregendes passiert, so langsam macht sich ja auch hier der Alltag breit. Gestern war ich wieder bei den Schildis und hab das wie immer genossen. Heute früh hatte ich meine zweite Deutschstunde, die wieder sehr gut geklappt hat. Das macht mir echt Spaß, das Unterrichten, obwohl ich mich oft frage, wer eigentlich diese Sprachregeln erfunden hat... Wie soll man denn den Leuten hier verständlich machen, warum manchmal ein „ß“ und manchmal ein „ss“ benutzt wird... Und über manche Wörter können die sich kaputt lachen. Ananas zum Beispiel oder Kakerlake. Nach den zwei Stunden Unterricht hab ich mich auf ein Fahrrad geschwungen und bin in Richtung Stadt gedüst (vor einigen Tagen hatte ich mit André schon einmal den Versuch unternommen, mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren – da er aber noch vor den Bahnschienen, also nach 200m schon einen Platten hatte, haben wir's aufgegeben). Fahrrad fahren ist hier echt ein Erlebnis! Es ist Linksverkehr, jeder fährt wie er will, ständig wird gehupt, überholt und angehalten, wo auch immer man das für richtig hält... Die Straßen sind nicht breiter als in Deutschland, und trotzdem passen nebeneinander 1 Bus, 1 LKW (die überholen sich gegenseitig), 2 Tuk-Tuks, 1 Moped und 1 Kuh. Und ich mittendrin – wunderbar! Ich hab das total genossen, mal ne halbe Stunde mit niemandem zu reden und für mich selbst ein bisschen was zu erkunden. Es gibt ja wirklich viel zu sehen hier. Ein großer Supermarkt, Food City, sorgt für das Nötigste. Und dann gibt es unzählige kleine Straßenläden, bei denen es auch Kleinigkeiten zu essen, trinken, Zigaretten, Telefonkarten usw. gibt. Und es gibt Haushaltsläden, in denen man wirklich ALLES findet. Von Bügeleisen über Bilderrahmen bis hin zu alten Wäscheständern. Man glaubt ja gar nicht, wieviel Zeug man in 5 Quadratmetern unterbringen kann. Mehr als ein Mitarbeiter passt dann auch eigentlich nicht mehr rein. Auf dem Rückweg hab ich ganz viel Eiscreme gekauft, André hat heut nämlich Geburtstag, und dann hab ich ordentlich in die Pedalen getreten... Nun werd ich mich noch ein bisschen an die Homepage machen und am späten Nachmittag geht’s zu Mamis Abschiedsfeier. Morgen früh ist Beach Cleaning angesagt und dann werd ich bis Samstag noch bei Mami sein und sie abends dann mit zum Flughafen bringen. Für Sonntag ist Seafishing mit ein paar Leuten geplant. Früh morgens schon solls raus gehen mit dem Boot, mal schauen, ob wir was fangen. Ich hoffe, ich werd nicht seekrank bei den Wellen hier...

Um ehrlich zu sein, hab ich manchmal trotz all der tollen Erfahrungen hier ein bisschen Sehnsucht nach zu Hause... Ich merke hier, wie sehr ich mein Leben in Deutschland mag (nicht, dass ich nicht vorher schon gewusst hab) und wie mir vollem die Alltagsdinge fehlen, über die man manchmal so schimpft oder die einem selbstverständlich oder sogar langweilig erscheinen. Ich genieße die Zeit hier in Sri Lanka, aber ich freu mich schon unheimlich auf den Sommer in Deutschland. Es ist doch was anderes, wenn die Liebsten am anderen Ende der Welt sind. Ich denke viel an euch und schick euch liebste Sonnengrüße!

Montag, 22. März 2010

Was für ein Wochenende...

Es ist Montag Abend, gleich halb 11 und eigentlich wollte ich schon lange im Bett liegen. Es ist wie zu Hause – ständig nimmt man sich vor, abends unbedingt eher ins Bett zu gehen, aber es klappt einfach nie. Ich komme gerade von einem Essen mit Mutti und Freunden wieder, schreibe nun noch schnell ein paar Zeilen und will dann ganz unbedingt noch den dritten Harry Potter unter meinem Moskitonetz zu Ende lesen...

Zu meinem Wochenende: Es gab schon Schönere... Schon Donnerstag Abend hab ich gemerkt, dass mein Magen ein bisschen verrückt spielt, die Nacht hab ich dann nicht geschlafen, sondern mit einem Ekel-Frosch kämpfend im Bad verbracht, Freitag schien es aufwärts zu gehen, dann sind wir nach Colombo gefahren, allerdings hatte sich der Plan mit der Feierei erledigt, weil ich schon bald wieder im Bett lag und froh war, dass ich mein Leben hatte... Samstag Vormittag haben wir dann nach dem Frühstück schon den Heimweg angetreten, mich mit den nötigsten Heilmitteln bestückt und ins Bett gesteckt. Gegen Abend wurde das Fieber dann höher, sodass Muttern mich zum Arzt geschliffen hat. Ja, man muss hier schließlich alles mal mitgemacht haben. Es war eine sehr süße Arztpraxis und hätt ich keine Kopfschmerzen gehabt, hätten wir uns wahrscheinlich gekringelt vor lachen. Die Ärztin wollte mir dann auch noch Halsschmerzen einreden (ich hatte keine), weil mein Hals angeblich so rot gewesen wäre. Hinterher hab ich auch gewusst, warum. Die Gute hat so eine große gelbe Taschenlampe gehabt, deren Lichtstrahl die Farbe ändert, je öfter man drauf drückt. Nachdem sie mir also kompetent (und rot) in den Rachen geleuchtet hat, wurde das Licht noch grün und blau, bevor es schließlich ausging...
Naja, jedenfalls gab's ein paar lustige Tabletten in allen Farben und Formen und siehe da – gestern ging es mir schon viel besser. Muttis Geburtstagsfeier holen wir am Donnerstag nach, da soll nämlich auch schon ihr Abschied „gefeiert“ werden (ohje).

Kleiner Trost: Die Zeit vergeht offenbar... In 25 Tagen kommt Sebastian, in 68 Tagen bin ich wieder zu Hause.

Morgen gehts überraschenderweise auch schon mal zur Schildkrötenfarm. Der Leigh unterrichtet ja hier englisch und plant mit seiner Klasse eine kleine Vormittags-Exkursion nach Kosgoda und hat mich gefragt, ob ich Lust hab, zweite Aufsichtsperson zu sein. Ha, dacht ich mir, aber immer doch. Freu mich schon auf die kleinen Schildis.


Elefantenbad im Fluss


Streifenhörnchen (links) gegen Eidechse (rechts)
(Eidechse hat gewonnen, Hörnchen war zu feige)


beim Abendessen im Nachbardorf

Freitag, 19. März 2010

Nur ganz kurz

Mein Deutsch-Unterricht gestern Vormittag war große Klasse und hat mir ganz viel Spaß gemacht. Meine Schüler sind etwa 15 bis 19, sehr freundlich und neugierig... Das mach ich ab jetzt also Donnerstag! So langsam nimmt meine Arbeitswoche feste Gestalt an.
Nach Sonnenuntergang waren wir am Strand und haben dem Gewitter zugeguckt. Manchmal waren die Blitze so hell und groß, dass man den Horizont sehen konnte.
Heut früh waren wir unterwegs und haben Hotels abgeklappert, weil wir eine Broschüre erstellen wollen und dazu ganz viele Daten brauchen... Das war auch ganz in Ordnung und wird wiederholt, bis wir damit durch sind.

Meine Woche sieht jetzt also folgendermaßen aus:
Montag - Homepage
Dienstag - Homepage
Mittwoch - Schildkrötenfarm
Donnerstag - Unterricht, nachmittags Homepage
Freitag - abwechselnd Beach Cleaning und Hotels abklappern

Damit lässt es sich doch leben!
Jetzt gehts gleich nach Colombo, wo Mutti und ich das Wochenende verbringen werden. Mal schauen, wo wir schönes finden, um in Muttis Geburtstag reinzufeiern.
Bis bald!

Kaya! Ganz viel Erfolg für deinen Wettkampf morgen! Holly und ich drücken fest die Daumen!!!

Mittwoch, 17. März 2010

Ich werd Schildkröten-Hebamme!

Während Montag und Dienstag relativ unspektakulär verlaufen sind (viel an der Internetseite gebastelt, Sonja verabschiedet), war heute mein bisher schönster Tag hier in Sri Lanka. Gleich früh bin ich gemeinsam mit André, einem freiwilligen Helfer der seit letzter Woche hier ist, und dem Engländer Leigh nach Kosgoda zur Schildkrötenfarm gefahren. Dort leben nicht nur Schildkröten, sondern auch andere Voluntäre, sogar 11 an der Zahl. Alles Engländer, bis auf Conny – studiert in Leipzig und ist sehr sympathisch. Morgen kommt sie uns hier mal besuchen, dann gehen wir Cocktails schlürfen.
Naja, jedenfalls haben wir die nächsten Stunden dann damit verbracht, die Tanks der Schildis sauber zu machen. Aber nicht mit Lappen oder so – nein, wir sind ja hier in Sri Lanka, da macht man alles ein bisschen anders: Schalen der Kokosnuss werden in handliche Streifen geschnitten, die man dann immer wieder in Sand titscht, und damit rubbelt man dann Beckenrand ab, bis er nicht mehr glitschig ist... So läuft das. Die Becken werden dann wieder mit Meerwasser gefüllt (die Farm ist direkt am Strand), das mittels einer notdürftig zusammen geschusterten Pumpe direkt aus dem Meer in die Tanks befördert wird. Da besagte Pumpe in regelmäßigen Abständen gestreikt hat, sind wir nicht wirklich schnell vorwärts gekommen. War aber nicht schlimm – man entspannt dann eben einfach. Gegen Mittag waren wir fertig, dann gab's da lecker Essen und anschließend haben wir lustig Karten gespielt. Dann kam eine Mitarbeiterin der Farm und hat uns gebeten, mal nach den verbuddelten Eiern zu sehen (letzte Woche hatt ich das Kräutergarten-Prinzip schon mal erklärt). Nachdem wir dann – zu meinem Entsetzen – einige Eier ausgebuddelt haben, die... naja, kein Lebenszeichen aufwiesen, haben auf einmal, keiner hätt's gedacht, kleine Köpfchen und Flügelchen aus dem Sand geguckt. Und es hat gar nicht wieder aufgehört! Es müssen um die 70 oder 80 Schildkrötenbabies gewesen sein, denen wir da einen herzlichen Empfang bereitet haben. Was für ein Erlebnis! Die Kleinen sind sehr niedlich und sollen wohl noch heute Abend in die Freiheit entlassen werden. Wünschen wir ihnen Glück :)
Für mich steht jetzt fest, dass ich jeden Mittwoch dorthin fahren werde. Die Leute dort sind sehr nett, man verbringt den ganzen Tag am Meer und die Arbeit da macht echt Spaß.
Dafür bin ich jetzt krummelahm und freu mich aufs Betti. Morgen geht’s früh raus, da hab ich nämlich meine erste Deutschstunde. Na ich bin gespannt!

putzen...

füttern...

buddeln...


Sonntag, 14. März 2010

Regen, bitte!

So, ein wirklich sehr erholsames Wochenende liegt hinter mir.
Freitag Nachmittag haben wir uns auf den Weg nach Unawatuna gemacht. Zwei Stunden sind wir entlang der Küste in Richtung Süden gefahren – durch die Region, die vom Tsunami am schlimmsten betroffen war. Auch in Aluthgama, wo ich wohne, hat das Wasser großen Schaden angerichtet, aber weiter südlich war die Welle größer und mächtiger und man kann noch viel davon sehen. Die Straße führt direkt am Strand entlang und so hatten die Menschen keine Chance. Links und rechts am Straßenrand stehen Ruinen ehemaliger Wohnhäuser und auch alte Boote, die von der Welle umher geschleudert wurden, liegen brach in manchen Vorgärten.
An einer Stelle steht am Straßenrand eine große Buddha-Statue. Damit hat es etwas besonders Tragisches auf sich... Als die Menschen in ihren Autos die Welle kommen sahen, haben sie die Autos fluchtartig verlassen und sind zu den Bahngleisen gelaufen, um auf den nächsten Zug aufzuspringen. Sie dachten, da wären sie sicher. Doch der Zug, dann beladen mit 1270 Menschen, wurde seitlich von der Welle getroffen und umgestoßen. Keiner hat das überlebt. Der große Buddha war ein Geschenk von Japan und steht nun nahe der Stelle, an der der Zug getroffen wurde.





In Unawatuna angekommen haben wir unsere niedliche Pension bezogen (ich hab ein richtiges Prinzessinnen-Himmelbett gehabt!) und sind dann lecker essen gegangen, direkt am Meer. Und weil wir danach nicht gleich ins Bett wollten, haben wir noch ein Ründchen gedreht, bis zur Strandbar Happy Banana. Da wollten wir eigentlich nur einen Absacker trinken, aber wie das so ist... Zuerst saßen wir am Strand und haben den Sternenhimmel bewundert, aber dann stellte sich heraus, dass wir vor einer Stranddisco saßen. Wie praktisch! Da wir uns mittlerweile mit dem Landesgetränk Arrack angefreundet hatten, waren wir dann auch nicht zu bremsen. Offensichtlich ist hier Elektro grad ziemlich angesagt. Kommt mir ja entgegen... Irgendwann in der Nacht sind wir dann in unser Himmelbett gefallen. Da hat sich dann auch der Arrack bemerkbar gemacht... Und am nächsten morgen war's leider nicht besser... Arrack-Nachwirkungen machen nicht halb so viel Spaß wie Arack trinken. Muss ich mir unbedingt merken. Naja, glücklicherweise ging es mir schnell besser, also fix im Garten gefrühstückt und ab zum Strand. Da waren wir dann eigentlich den ganzen Tag, aber weil es immer windiger wurde, sind wir nach Galle gefahren, um dort eine alte Festung und den Sonnenuntergang anzugucken. Galle war vom Tsunami auch sehr betroffen. Viele der Bilder, die man aus dem Fernsehen kennt, zum Beispiel der überschwemmte Busbahnhof, stammen von da.

Sonntag waren wir dann wieder am Strand und sind nachmittags zurück nach Aluthgama gefahren. Hier hab ich dann den Garten geschläuchelt (weil kein Regen) und hoffe nun inständig, dass der Strom noch ein paar Minuten aushält. Der fällt zur Zeit immer mal aus, weil Strom hier nämlich durch Wasserkraft erzeugt wird, und wenn kein Regen, dann kein Strom. So einfach ist das. Es blitzt und donnert schon immer mal gewaltig, aber es will einfach nicht regnen... Schauen wir mal, was der Morgen so bringt.

9,6% der Bevölerung in Sri Lanka sind Muslime – die gehen dann eben auch so wie sie sind ins Wasser...

Partynacht

Was bei uns Fußball ist, ist hier Cricket.

Für Geld machen dir hier scheinbar alles...

... und hier springen die runter, die Verrückten!

wieder mal ein schöner Sonnenuntergang

Freitag, 12. März 2010

Schönes Wochenende!

Grad sitz ich auf meinem Bett und versuche krampfhaft nicht einzuschlafen. Es ist erst 11:12 am Vormittag, aber der Tag kommt mir schon ganz schön lang vor... Grund: Beach Cleaning. Mit Müllsäcken und genug Wasser bewaffnet, sind wir schon halb 8 aufgebrochen in Richtung Strand. Dort haben wir uns mit ein paar einheimischen Jugendlichen getroffen und dann ging's auch schon los. Zwei Stunden lang sind wir Strände abgelaufen und haben sie von Müll befreit. Man glaubt ja nicht, was alles so angeschwemmt wird. Kurz nach 10 waren wir durch mit dem Programm, was auch gut war, denn die Sonne stand mittlerweile schon hoch am Himmel. Zwei Stunden können ganz schön lang sein. Glücklicherweise gibt es hier selbst beim Beach Cleaning allerhand zu entdecken. So kann ich meine in-Sri-Lanka-gesehene-Tiere-Liste erweitern um Chamäleons, komische Krebse mit Panzern und kleine Strandläuferkrebse. Die sind ganz flink und ihre Spuren verteilen sich kilometerweit auf dem Strand. Am Ende hatten wir um die 15 Müllsäcke und konnten stolz den Heimweg antreten.
Gleich werd ich dann anfangen, Sachen zu packen, denn übers Wochenende fahr ich mit Mami nach Unawatuna. Ich hab mir vorgenommen, dort nichts anderes zu machen, als am Strand Harry Potter zu lesen, ab und an ins Meer zu hüpfen, Cocktails zu schlürfen und lecker zu essen. Gut erholt werd ich dann Sonntag Abend wieder hier im EDC landen. Bis dahin bin ich wahrscheinlich nur übers Handy zu erreichen, weiß ja nicht, wie die Internetverbindungen so sind.

Achso, es gibt eine Neuigkeit: Ich werde nun ein mal pro Woche Deutsch unterrichten. Die Sonja hat hier einen Deutschkurs angefangen, der von den Kindern und Jugendlichen viel Zuspruch erhält. Gestern hab ich mir das mal angeguckt und war begeistert. Die haben da richtig Spaß dran und sind alle sehr lieb. Also freu ich mich nun schon auf die kommenden Donnerstage.

Dankeschön für eure lieben Nachrichten und Mails! Ich freu mich immer über Lebenszeichen aus der Heimat... Also schön weiter machen :) Habt ein schönes Wochenende!

Deutschkurs

vor dem Beach Cleaning



nach dem Beach Cleaning

Mittwoch, 10. März 2010

Zu Besuch bei den Schildkröten

Nur schnell ein kurzer Bericht von der Schildkrötenfarm... Hingefahren sind wir mit dem Bus. Eigentlich braucht man für die Strecke 20 Minuten. Ich glaube, wir waren fast eine Stunde unterwegs... Weiß nicht warum. Unser Bus war einfach schrecklich langsam und hat gehuckelt. Vielleicht war ein Reifen kaputt. Na, nicht schlimm, hatte ja auch einen Vorteil: ich hatte viel Zeit, die Landschaft zu erkunden. Irgendwann hat mich dann was am Ohrläppchen gepiekst. Hab ich mich vielleicht erschrocken. Ich dreh mich also um und schau direkt in zwei kullerrunde, fast schwarze Kinderaugen. Da saß ein kleines Mädchen auf dem Schoß seiner Großeltern und daneben wohl die Mutter dazu. Und alle starren sie mich an. Hm, dacht ich mir, und nu? Das kleine Mädchen hat dann wieder den Finger ausgestreckt und mich angefasst. Ich glaub, es war das erste Mal, dass sie eine Weiße gesehen hat. Jedenfalls hat sie sich gefreut, als sie gemerkt hat, dass ich echt bin. Auch am Straßenrand waren alle ganz aus dem Häuschen, wenn sie Sonja und mich erblickt haben. Die zeigen dann mit dem Finger auf uns und kriegen sich vor lauter Begeisterung gar nicht wieder ein. Schon komisch irgendwie. Hab das erst als sehr unhöflich empfunden, aber man merkt echt, dass die das überhaupt nicht böse meinen. Naja, ich wink dann brav zurück.
Die Schildkrötenfarm selbst war echt cool. Das Ganze läuft so: Große, dicke, fette Mama-Schildkröte legt an die 150-200 Eier in den Sand und haut dann ab ins Meer. Die Arbeiter in der Farm sammeln diese Eier dann ein, damit ihnen nichts passiert, verbuddeln sie systematisch auf ihrem Gelände und versehen sie mit Schildern. Hat ein bisschen was von nem Kräutergarten. Nach einer bestimmten Zeit schlüpfen dann die Babys und werden in der Farm aufgepeppelt, bis sie schließlich ausgesetzt werden können. Sehr süß, die Kleinen. Leider gibt es in der Anlage auch große, ausgewachsene Schildkröten, die wohl nie wieder zurück ins Meer dürfen. Und wenn man sich vor Augen hält, wie alt Schildkröten werden können, tut einem das schon ganz schön leid. Es ist eben auch nicht sehr hübsch dort. Die Tanks sind relativ klein und nur mit Wasser gefüllt. Also eigentlich nichts, woran sich die Schildis erfreuen könnten. Eine große Schildkröte zum Beispiel, sie heißt Stevie, ist durch den Tsunami erblindet und lebt nun für immer auf dieser Farm... Aber wie gesagt, hauptsächlich wird dort kleinen Minis der Start ins Schildkrötenleben erleichtert. Ich hatte eine Schildkröte auf der Hand, die erst gestern geschlüpft ist!
Danach waren wir am Meer. Ich dachte ja, ich hätte den wunderbarsten Strand hier bereits gefunden, aber der heute war noch 'nen Zacken schärfer. Diese Wellen... Und niemand außer uns. Nur Palmen. Große Klasse. Natürlich hab ich jetzt wieder Sonnenbrand.
Zurück gings dann mit einem klimatisierten Bus, mit dem wir dann tatsächlich auch nur knapp 20 Minuten zurück nach Aluthgama gebraucht haben. Zur Feier des Tages hab ich mir eine Kokosnuss zum trinken am Straßenrand gekauft. Die Kokosnüsse hier sehen anders aus als die, die wir kennen. Sind sind orange und größer und ein bisschen anders geformt. Überall am Straßenrand werden sie verkauft, auf Wunsch aufgeschlagen und mit einem Strohhalm versehen, und dann kann man die wunderbar trinken.
Was für ein schöner Ausflug!

Schildkrötenfarm unter Palmen




Tag 5

Gerade hat mein Mittwoch angefangen und bewaffnet mit Läppi und Wasserflaschen sitz ich wieder an meinem paradiesischen Arbeitsplatz. Aber bevor es los geht, will ich noch ein bisschen was schreiben...
Gestern Vormittag verlief ruhig, ich hab weiter an der Homepage rumgebastelt und mit der Andrea die nächsten Aufgaben besprochen. Alles in allem bin ich damit zufrieden.
Nachmittags bin ich dann wie geplant zu Mutti gefahren. Da das bestellte Tuk-Tuk ein bisschen später kam, bin ich ihm schon entgegen gegangen. Untwegs bin ich auf eine Gruppe Frauen gestoßen, die mich ganz skeptisch angeguckt haben. Aber das stört mich schon nicht mehr, denn ich weiß schon, wenn ich die dann anlächele, freuen die sich total und lachen zurück. Die Erfahrung hab ich hier schon oft gemacht. Vor allem die Frauen bewundern die weiße Hautfarbe. Mami hat erzählt, dass sich einige von ihnen sogar mit Bleichmittel einreiben, um ihre Haut auch aufzuhellen. So eine Weiße wie ich ist hier dann schon so ein kleines Highlight. Zuerst begegnen sie einem dann mit Skepsis, bisschen Neid und zurückhaltender Neugier. Aber sowie man sie anlächelt, freuen die sich ganz doll. Und es sieht super aus, wenn die sich freuen. Die meisten Frauen hier sind sehr hübsch, vor allem wenn sie lächeln.
Der Nachmittag war dann ganz wunderbar. Unten am Meer ist das Leben ganz anders als hier, wo ich wohne. Obwohl es ja eigentlich nur 10 Minuten bis dorthin sind... Gegen 5 sind wir dann los, um die Stunde vorm Sonnenuntergang noch für einen Strandspaziergang zu nutzen (tagsüber kann man sich das bei der Hitze nicht antun). Mit den Füßen im Meer und dem Wind in den Haaren sind wir am traumhaften Strand entlang spaziert. Da hab ich wieder gemerkt, wie toll es hier ist. Manchmal kommen so kleinen Momente, in denen ich eigentlich erst realisiere, wo ich hier bin. Dann gehts mir so richtig gut...
Abends bin ich dann 22:30 Uhr wieder im EDC gewesen und hab mit der Taschenlampe unter meinem Moskitonetz ganz aufgeregt den ersten Harry Potter fertig gelesen. Bin nämlich ein Harry-Potter-Bücher-Spätzünder und hab mir alle sieben Teile für meine Zeit in Sri Lanka aufgespart.
Gut, ich werd jetzt mal loslegen. Über Mittag fahr ich mit der Sonja wahrscheinlich zu einer Schildkrötenfarm, deswegen will ich vorher ein bisschen was schaffen.
Ich denk ganz viel an zu Hause und schick ich euch die Sonne!


Das EDC




Montag, 8. März 2010

Erster Arbeitstag

Die erste Nacht im neuen zu Hause war ganz unproblematisch. Ein strahlend pinkes Moskitonetz hat mich vor meinen neuen kleinen Widersachen beschützt und ein Ventilator hat einigermaßen erträgliche Temperaturen hergestellt.
Heute früh gab es dann zum Frühstück Rotti, sieht aus wie Kartoffelpuffer, besteht aber aus Mehl und Kokos und Wasser. War ganz in Ordnung, aber vorsichtshalber hab ich mir Cornflakes zugelegt. Eine Stunde nach dem Frühstück (gaaanz langsam, hier in Sri Lanka gibt es scheinbar keine Hektik) hab ich mich mit Andrea zusammen gesetzt und meine Aufgaben besprochen. Erste Mission: Die Homepage der Nature Conservation Society nach Fehlern durchforsten und aktualisieren, dann mit der englischen Homepage abgleichen, deutsche Texte ins Englische übersetzen, um die Seite zu ergänzen. Meinen Arbeitsplatz hab ich mir dann auf dem Balkon eingerichtet. Und da saß ich dann eigentlich auch den ganzen Tag und hab gearbeitet. Ganz langsam, versteht sich. Muss man erstmal lernen, dass hier überhaupt kein Druck hinter steckt. Und so hab ich mich oft erwischt, wie ich lustige bunte Vögel oder Streifenhörnchen in den Palmen beobachtet habe, ohne zu wissen, wie lange schon. Die Gedanken schweifen hier einfach ständig ab... Und dann kam Leigh vorbei, ein Engländer Mitte 30, der schon seit letztem August hier arbeitet. Eigentlich kam er mit seiner Freundin her, und eigentlich wollten die beiden nicht lange bleiben. Dann kam es wohl ziemlich schnell zur Trennung, Haus in England verkauft, Job weg... Naja, bleibt er eben ein bisschen länger, hat er sich gedacht. Aber Mitte April reist er ab. Das passt prima, weil er hier das einzige Zimmer mit Doppelbett und eigenem Bad hat. Das kriegen dann Sebastian und ich, juchu!
Nach der Arbeit bin ich dann mit der Sonja und einigen anderen Bewohnern und Mitarbeitern dieses Hauses (kann mir die Namen noch nicht merken) mit dem Tuk-Tuk in die Stadt zum Markt gefahren. Da war vielleicht was los. So viele verschiedene Gerüche, so ein Lärm, so ein Gedränge. Aber lustig. Hab natürlich meine Tasche umschlungen, dass auch ja keiner auf dumme Gedanken kommen konnte. Dann gings noch einkaufen im Supermarkt, wo wir Leigh und seine Freundin Lina getroffen haben und schließlich haben wir uns zu viert in ein Tuk-Tuk zurück zum EDC gequetscht.
Zum Abendessen gab es sowas wie Eierkuchen, nur viel herber. An das Essen muss ich mich wohl noch gewöhnen... Morgen früh werd ich mir mal eine Unterrichtsstunde anschauen und dann weiter an der Homepage sitzen. Wenn ich fertig bin, geh ich Mami besuchen (sie wohnt in einem Guesthouse direkt am Meer, knapp 10 Minuten von hier entfernt) und dann wollen wir zum Strand. Das ist der Plan.

Ausblick vom Balkon

Mein Betti

viele Tuk-Tuks

Markt

Sonntag, 7. März 2010

Tag zwei vorbei

Ich bin im EDC angekommen und glücklicherweise sind alle sehr lieb. Das Haus ist zweistöckig: Unten befinden sich die Schulungsräume (ein PC-Raum, ein Klassenzimmer, eine kleine Bibliothek und Arbeitsräume) und oben drüber ist die große Wohnung, in der auch ich untergebracht bin. Die Familie besteht aus Andrea, einer Deutschen aus Cottbus, ihrem Sri Lankanischen Ehemann Lal und der zweijährigen Anisha. Außerdem wohnen auch zwei einheimische Frauen hier, die Schwester von Lal und eine Köchin.
Die Sonja, mit der ich mir ein Zimmer teile, reist nächsten Mittwoch ab. Sie kommt aus Bayern, weshalb es lustig ist, mit ihr zu reden. Und sie redet sehr viel...
Naja, und sonst ist nicht viel passiert. Jetzt ist es gleich 22 Uhr und ich werd dann mal ins Bettchen gehen.
In 85 Tagen bin ich wieder zu Hause. In 42 Tagen kommt Sebastian. Schauen wir mal, wie schnell die Zeit vergeht...

Erstes Abendessen mit der Sonja


Angekommen

Alles lief wie am Schnürchen... Pünktlich Samstag früh um 4:30 Uhr sind Mami und ich in Sri Lanka gelandet. Der Flug war wie erwartet nicht so der Renner. Zum Schlafen bin ich nicht gekommen (offensichtlich ist der gesamte asiatische Luftraum ein einziges Schlechtwettergebiet) und der Plan mit dem vielen Prosecco als Mutmacher hat auch nicht geklappt, da sich der Getränkewagen während der 10 Stunden Flugzeit leider nur zwei mal hat blicken lassen... Mit dem Kleinbus ging es dann zu unserer Pension im südwestlichen Aluthgama. Unterwegs dorthin hab ich schon so viel gesehen, dass ich eigentlich große Lust hatte, auf direktem Weg kehrt zu machen und mich an den nächsten Flieger zurück nach Deutschland zu ketten.
Nachdem ich den ersten Kulturschock überstanden hatte, sind wir zum Strand gegangen. Und da ist mir dann auch aufgegangen, warum diese kleine Insel (übrigens nicht einmal so groß wie Bayern) von so vielen als Paradies bezeichnet wird. Das Meer und der Strand sind einfach wunderschön. Den Tag haben wir damit verbracht, abwechselnd faul am Pool und faul am Meer zu sein. Nach dem Abendessen gings dann auch gleich ins Bett – nach 36 Stunden auf den Beinen allerhöchste Eisenbahn. Und nun ist schon Sonntag, das heißt, meine Eingewöhnungsphase ist bald vorbei. Heute Nachmittag fahr ich ins Education Development Center, wo ich während der nächsten 12 Wochen (klingt jetzt irgendwie ganz schön lang) wohnen werde... Dort bezieh ich dann mein Zimmer, das ich noch anderthalb Wochen lang mit einer Mitstreiterin teile. Anfangs fand ich den Gedanken, kein Zimmer für mich allein zu haben, relativ blöd. Mittlerweile freu ich mich, dass ich nicht alleine sein werde. Die Sonja kann mir dann mal erzählen, wie sie mit den Lebensumständen hier zurecht gekommen ist. Vielleicht kann ich mir ja was abgucken...
Achso, nur noch mal zur Info: In Sri Lanka ist es 4,5 Stunden später als in Deutschland. Klingt gar nicht so viel, macht sich aber bemerkbar. Das Wetter hier ist übrigens großartig und die Menschen sehr freundlich! Und dass die heimliche Wunderpflanze Ayurveda in jeder Ecke wächst, ist auch sehr praktisch, wenn man sich schon am ersten Tag einen ordentlichen Sonnenbrand zulegt...

unsere Pension